Gegen die Wand ist der mehrfach ausgezeichnete Spielfilm des deutsch-türkischen Regisseurs Fatih Akin. Der Film schildert die Liebesgeschichte einer jungen in Deutschland geborenen und aufgewachsenen Türkin, die eine Scheinehe mit einem älteren, alkoholkranken und drogensüchtigen Landsmann eingeht, um den Moralvorstellungen ihrer Eltern zu entkommen.

Der Film ist der erste Teil der Trilogie Liebe, Tod und Teufel, die 2007 mit Auf der anderen Seite fortgesetzt und 2014 mit The Cut beendet wurde.

Cahit, ein 40-jähriger Deutschtürke aus Hamburg, fährt alkoholisiert und ungebremst gegen eine Wand. Während der Zeit im Krankenhaus lernt er Sibel kennen, die ebenfalls wegen eines Suizidversuches dort ist. Sibel, eine junge Türkin, rebelliert gegen ihr traditionelles türkisches Elternhaus. Sie möchte ihr eigenes Leben leben, sagt: „Ich will leben, ich will tanzen, ich will ficken. Und nicht nur mit einem Typen.“ Um diese Unabhängigkeit von ihrem strengen Vater und ihrem dominanten Bruder zu erlangen, sieht sie nur noch die Möglichkeit, eine Scheinehe einzugehen. Cahit, der seine türkische Muttersprache „weggeworfen“ hat, auf jede Frage nach seiner mysteriösen Vergangenheit aggressiv reagiert und sein Taschengeld mit dem Aufsammeln von Flaschen in dem alternativen Club „Fabrik“ verdient, willigt nach einem weiteren Suizidversuch von Sibel ein. Als er bei Sibels Eltern um die Hand ihrer Tochter anhält, gibt er vor, der Geschäftsführer der Gaststätte zu sein, in der er arbeitet.

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Der Film verarbeitet zwei große Themen: Da ist zunächst die Frage nach der Identität des türkischstämmigen Einwanderers Cahit, der seit dreißig Jahren in Deutschland lebt, und der jungen türkischen Frau Sibel, die in Deutschland geboren und umgeben von einer weltoffenen deutschen Gesellschaft traditionell türkisch erzogen wurde. „Selten spürte man im Kino einen derartigen Lebenshunger: In seinem preisgekrönten Film ,Gegen die Wand‘ entwirft der Hamburger Regisseur Fatih Akin virtuos und kompromisslos das hochemotionale Drama zweier Deutschtürken auf der Suche nach Identität.“, schreibt Oliver Hüttmann in Spiegel Online.

Das zweite Thema ist die Liebesgeschichte zwischen Cahit und Sibel, die reich an Gefühlen und Wirrungen, an Missverständnissen und falschen Vorstellungen ist. Fritz Göttler schreibt dazu in der Süddeutschen Zeitung: „Wahnsinnige Liebe ist das Thema dieses Films. Und Selbstzerstörung. Und: Liebe = Selbstzerstörung. Fatih Akin denkt an Kurt Cobain und Jim Morrison, die Meister der poetischen Selbstzerstörung. Die Gleichung funktioniert, so wird uns suggeriert, nur noch bei den anderen, den Fremden, den Türken. Also nimmt der Film uns mit auf einen Trip in diese Welt, dort ist archaisches Leben – Blut, Schweiß, Tränen –, dort endet eine Szene gern im Exzess.“

Und in der Tat ist Selbstzerstörung das, was beide Themen verbindet. Selbstzerstörung durch maßlosen Alkoholismus, durch die Amokfahrt gegen eine Wand, durch Suizidversuche und durch Gewalt gegen andere. Selbstzerstörung als Rebellion gegen und zum Ausbruch aus der vorgegebenen Identität, Selbstzerstörung aus Liebe.

Türkei – Istanbul – Gesellschaft

Die Lösung, die der Film anbietet: die Rückkehr in die Türkei. Cahit verändert sich durch die Liebe zu Sibel zusehends und diese Liebe lässt ihn die Zeit im Gefängnis überstehen und abstinent werden. Sibel erlebt in Istanbul den Höhepunkt ihrer Selbstzerstörung, bevor sie ihr Leben ordnet. Warum sie ihr Leben ordnet, bleibt der Film schuldig. Ob die Rückkehr in die Türkei eine akzeptable Lösung für Sibel und Cahit ist, muss jeder Zuschauer selbst entscheiden. Der Film schweigt sich dazu aus. Aber es ist die Lösung, für die beide Charaktere die nötige Kraft haben.

Akin gelingt es, die Geschichte durch eine intensive Bildsprache sehr realistisch zu erzählen. Sie wird von einem Soundtrack begleitet, der ihren Kontrast voll aufnimmt: Depeche Mode gegen türkisches Volkslied.

Der Film Gegen die Wand erhielt folgende Ehrungen:

  • Goldener Bär der Berlinale 2004
  • Preis des Internationalen Verbands der Filmkritik (FIPRESCI) auf der Berlinale 2004
  • New Faces Award für Sibel Kekilli als beste Nachwuchsdarstellerin 2004
  • 5 Lolas in Gold des Deutschen Filmpreises für

    Bester Film
    Beste Regie
    Beste Hauptdarstellerin: Sibel Kekilli
    Bester Hauptdarsteller: Birol Ünel
    Beste Kamera: Rainer Klausmann

  • den Gilde-Filmpreis in Gold im Rahmen der Filmmesse Leipzig 2004

  • die Auszeichnung als bester Film auf dem Ourense Film Festival in Spanien
  • den Publikumspreis auf dem Festival de Cine in Sevilla in der Sektion Europa, Europa
  • den spanischen Filmpreis Goya als bester europäischer Film (2005)
  • den Deutschen Kamerapreis in der Kategorie Kamera Kinospielfilm an Rainer Klausmann
  • die Golden Camera 300 auf dem Manaki Brothers Film Festival in Bitola an Rainer Klausmann
  • National Society of Film Critics Award: Bester fremdsprachiger Film 2006
  • Nie war der Film so aktuell wie heute, zeigt er doch die Spaltung der türkischen Gesellschaft und die Identitätssuche auf einer ganz persönlichen Ebene.

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    Gegen die Wand was last modified: Februar 11th, 2017 by Filmredaktion gutefilmefinden.de

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